Vom Scheiterhaufen zu Wollsocken

Vom Scheiterhaufen zu Wollsocken

Spiritualität wird oft mit bestimmten Religionspraktiken verbunden. Andere verbinden sie mit Ritualen, Traditionen, Meditationen, Räucherstäbchen und Wollsocken. Alles muss akribisch eingehalten werden, sonst sind wir nicht spirituell und verleugnen das Leben an sich. Viele angstmachende, bewertende und verurteilende Klischees sind seit Generationen im Umlauf.

Lass uns von vorne beginnen

Nun, nicht gerade bei Adam und Eva, die laut einigen Menschen aus dem Paradies geworfen wurden. Natürlich, weil Eva nicht hören konnte. Vielleicht war es auch ganz anders. Ich zumindest kann mir gut vorstellen, dass Eva bestimmt nur neugierig auf das war, was es sonst noch auf der Welt so geben mag.
Später kamen noch etliche andere Menschen, die ihren spirituellen Weg gingen. Die einen öffentlich, die anderen heimlich.

Der lange Weg der Verfolgung

Der Glaube an Menschen mit besonderen Fähigkeiten zieht sich durch alle Kulturen und Zeiten. Schon in den antiken Hochkulturen von Ägypten, Babylonien und Assyrien waren sie bekannt. Im römischen Reich blieb eine wohltätige Zauberei ungestraft. Wobei die meisten Herrschaften gar nicht wirklich an Zauberei glaubten, hatte man trotzdem ein wachsames Auge darauf. Seit dem 3. Jahrhundert nach Christus wurde die Bestrafung durch Verbrennung beim Missbrauch von Zauberei, der sogenannte Schadenszauber, eingeführt.

Nicht überall war es gleich: So waren bei den Wikingern und Germanen die spirituell Praktizierenden, Völvas und Seherfrauen, respektiert und geachtet. Ihr Wissen war wertvoll für die Gemeinschaft.

Im 4. Jahrhundert nach Christus veränderte der Kirchengelehrte Augustinus alles, indem er behauptete, dass magische Handlungen einen stillschweigenden Pakt mit dem Teufel voraussetzten. Damit wurde nicht mehr unterschieden zwischen guter und schlechter Zauberei. Jede Art der vermeintlichen Zauberei wurde verurteilt und es wurde die Todesstrafe verhängt.

Damit begann die Zeit der systematischen Verfolgung dieser meist nur spirituellen Menschen, die sich den Missionaren des Christentums nicht unterwerfen wollten. Auch die Wikinger und Germanen haben darunter gelitten.

Spirituelle Menschen passten nicht in die Gesellschaft, da sie nicht zu kontrollieren waren und vielleicht machten sie auch einigen Herrschaften einfach nur Angst.

Der Höhepunkt: die Hexenverfolgung

Die systematische Hexenverfolgung erreichte ihren grausamen Höhepunkt zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert. In Europa wurden schätzungsweise 40.000 bis 60.000 Menschen hingerichtet – etwa 75–80 % davon waren Frauen.

Besonders brutal war die Verfolgung im deutschsprachigen Raum. Hier fanden etwa 40 % aller europäischen Hexenprozesse statt. Frauen, die über Heilwissen verfügten, Kräuter sammelten oder einfach nur eigenständig dachten, gerieten schnell unter Verdacht. Aus Angst, verurteilt zu werden, verheimlichten viele ihre spirituellen Gaben.

Die Beschuldigten wurden so lange gefoltert, bis sie aus Verzweiflung „gestanden“ haben, um dem Schmerz ein Ende zu bereiten. Die Hinrichtungen erfolgten durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen, Ertränken oder andere grausame Methoden. Erst im 18. Jahrhundert endeten diese Verfolgungen allmählich.

Die Verfolgung ging weiter – nur subtiler

Doch mit dem Ende der Hexenverfolgungen war es nicht vorbei. Die Kontrolle über Frauen, die nicht der Norm entsprachen, setzte sich in anderer Form fort – diesmal unter dem Deckmantel der Gesundheitsfürsorge.

1933 wurde das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ erlassen, das zu Zwangssterilisationen führte. Frauen, die den gesellschaftlichen Erwartungen nicht entsprachen, wurden eingesperrt. Darunter auch diejenigen, die nicht den traditionellen Geschlechterrollen entsprachen. Bis 1941 gab es keine gerichtliche Kontrolle – und selbst danach war die rechtliche Überprüfung meist reine Formsache.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg sollte mit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes eine stärkere Überprüfung solcher Maßnahmen erfolgen. 1948 wurde die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegründet, die internationale Standards für Diagnosen festlegte.

Doch auch nach 1949 wurden viele Frauen weiterhin in psychiatrischen Einrichtungen eingewiesen. Wer „anders“ oder „abweichend“ von der Rolle als Frau in der Gesellschaft war, konnte aufgrund von Diagnosen wie „Hysterie“ oder „Persönlichkeitsstörungen“ weggesperrt werden.

Bis in die 1970er Jahre setzte sich dies fort, bis die Psychiatrie zunehmend hinterfragt wurde und den Rechten der Frauen mehr Beachtung geschenkt wurde. Erst Ende der 1990er Jahre kam ein neues Gesetz in Kraft, das zu einer stärkeren Berücksichtigung der Patientenrechte führte.

Was bedeutet das für uns heute?

Zugegeben, unsere Geschichte ist nicht gerade mit Humor zu erzählen. Jahrhunderte der Verfolgung, Unterdrückung und Angst hinterlassen Spuren.

In der Geschichte der Menschheit hat es in fast jeder Familie sicherlich einige Ahninnen gegeben, die von Verfolgung und Bestrafung betroffen waren. Diese Angst wurde von Generation zu Generation weitergegeben und uns somit, wenn auch unbewusst, in die Wiege gelegt.

Unsere Eltern haben uns vielleicht beigebracht, dass Spiritualität nicht gezeigt werden darf. Darüber spricht man halt nicht. Den Satz „Sind doch alles Hippies.“ kennen sicherlich noch einige aus der Kindheit.

So haben wir als Kinder gelernt, dass Spiritualität nicht gesellschaftsfähig ist.

Diese Einstellung kann noch heute in uns festsitzen und uns blockieren – obwohl wir selbst nie eine Verfolgung in diesem Sinne erlebt haben.

Wenn wir diese alten Muster lösen können, dann könnten wir die Türen zu unserer eigenen Spiritualität öffnen.

Die Spiritualität der neuen Zeit gehört keiner Religion an. Sie ist gesellschaftsfähig und einfach im Leben zu integrieren. Und das Beste: Wollsocken sind optional.

Wir dürfen heute offen zu unserer spirituellen Wahrnehmung stehen. Ohne Angst und ohne uns verstecken zu müssen. Die Zeit, als „Hippie“ abgestempelt zu werden, ist auch vorbei. Wobei ich nichts dagegen hätte.

Mein Fazit

Obwohl wir in einer Zeit leben, in der mittlerweile viele Lebensstile gesellschaftsfähig geworden sind, tun sich dennoch so viele Frauen schwer damit, dies auch zu leben.

Oft werden wir durch das, was die Frauen vor uns erfahren haben, gehindert, weil es uns in die Wiege gelegt wurde. Dieser unbewusste Teil kann aufgelöst werden, um so zur eigenen Spiritualität zu gelangen.

Die Zeit der Verfolgung ist vorbei. Es ist an der Zeit, dass wir Frauen wieder zu unserer inneren Weisheit stehen dürfen.

 

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